Warum die Uderschen Ossenritter heißen?

Es geschah am 29. Mai 1153 als Kaiser Friedrich Barbarossa auf einem Zug durch Thüringen und Sachsen nach Heiligenstadt kam. Scharenweise strömten die Landleute der ganzen Umgegend nach der Stadt, um den Kaiser zu sehen. Auch der Schulze (Bürgermeister) von Uder, Hansfranz Hase, befand sich unter der schaulustigen Menge. Nicht nur der Kaiser selbst, sondern auch die stattlichen Ritter in dessen Gefolge erregten seine höchste Bewunderung. So kam es, dass der Wunsch in ihm erwachte, auch ein Ritter zu werden. Eine Gelegenheit, diesen Wunsch dem Kaiser vorzutragen, bot sich noch am selben Tage. Als Friedrich Barbarossa in seinem Absteigequartier die Vertreter der Behörden empfing, stellte sich der Schulze in die Reihe und kam so zum Kaiser. Dieser war nicht wenig überrascht, als er den seltsamen Wunsch des Schulzen erfuhr. Doch da er guter Laune war, sagte er dem Bittsteller die Erfüllung seines Wunsches zu. Allerdings unter der Bedingung, dass er im Besitz eines Pferdes sei.


Da war guter Rat teuer. An Ochsen war zwar in Uder kein Mangel, doch Pferde gab es kaum, und auch der Schulze nannte kein solches Tier sein eigen. Betrübt ließ er den Kopf hängen. Da tat der Arme dem Kaiser leid und lachend erlaubte er ihm, einen seiner Ochsen als ritterliches Reittier benutzen zu dürfen. Statt des bürgerlichen Namens Hase verlieh er ihm den Titel eines Ritters von Eulenburg und erteilte ihm den Ritterschlag in Gestalt einer gewaltigen Maulschelle. Die Freude über die Erfüllung seines Herzenswunsches ließ Hase den Schmerz ertragen und stolz auf seine neue Würde begab er sich auf den Heimweg. Am Sonntag darauf, nach der Messe, als alle Einwohner versammelt waren, verkündete er den vor dem Anger wartenden Dorfbewohnern seine Erhebung in den Ritterstand.

Alle Versammelten freuten sich sehr, ließen ihren ritterlichen Schulzen hochleben und beschlossen, ihm zu Ehren ein Turnier zu veranstalten. Dieses fand auch am darauf folgenden Sonntag statt. Auf dem Turnierplatz, dem sogenannten Bachrasen, vertraten stattliche Ochsen die Stelle der Kampfrosse und statt Schwert und Lanze wurden Peitschen, Knüttel und Dreschflegel als „Waffen“ benutzt. Den Abschluss bildete eine Reiterattacke unter Führung des Schulzen selbst, der sich den Gemeindebullen als Reittier ausgewählt hatte. So erhielten die Einwohner von Uder den Spitznamen „Ossenritter“.

 

(Quelle: Rudolf Linge, Der Hahn auf dem Kirchturm, Verlag Cordier Heiligenstadt 1978)



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